Meine Lerngesschichte

MEINE LERNGESCHICHTE

Die Freude am Lernen entdecken

1988 begann meine berufliche Reise in der Welt der Kindertagesstätten. Rückblickend hatte ich großes Glück. Schon meine ersten Einrichtungen waren Orte, an denen Kinder ernst genommen, beteiligt und mit großer Wertschätzung begleitet wurden. Damals war das keineswegs selbstverständlich. Für mich wurde es zur Grundlage meiner pädagogischen Haltung.

Ebenso prägend war meine Ausbildung an der Katholischen Fachakademie St. Hildegard in Würzburg. Bereits damals standen Reflexion, Biografiearbeit und die eigene Haltung im Mittelpunkt. Noch wichtiger waren jedoch die Menschen, die dort lehrten. Sie vermittelten nicht nur Wissen, sondern interessierten sich für uns als Persönlichkeiten. Sie forderten uns heraus, trauten uns viel zu und begleiteten uns durch manchmal anstrengende Lernprozesse.

Dort entdeckte ich etwas, das mich bis heute begleitet: Lernen bedeutet weit mehr als Wissen anzusammeln. Lernen verändert den Blick auf die Welt und auf sich selbst. Diese Erfahrung prägt meine Arbeit bis heute.

Verantwortung übernehmen und Entwicklung gestalten

Nach meiner Ausbildung kehrte ich in meine Heimat am Untermain zurück und übernahm bereits nach kurzer Zeit die Leitung einer Kindertagesstätte. Rückblickend erscheint mir dieses Vertrauen erstaunlich. Für mich war es vor allem eine große Chance.

Gemeinsam mit einem engagierten Team und einer aktiven Elternschaft durfte ich erleben, wie viel möglich wird, wenn Menschen Verantwortung übernehmen und gemeinsam an einer Idee arbeiten.

Nach vier Jahren entschied ich mich bewusst gegen die Leitungsfunktion und wieder für die unmittelbare Arbeit mit Kindern und Familien. Ich wollte wieder näher an der pädagogischen Praxis sein.

In einer evangelischen Kindertagesstätte in Aschaffenburg begegnete ich erstmals der Offenen Arbeit. Gemeinsam mit einem mutigen Team machten wir uns Mitte der 1990er Jahre auf den Weg, pädagogische Strukturen grundlegend zu verändern. Ich lernte dabei, dass nachhaltige Veränderung nur gelingt, wenn Menschen gemeinsam lernen und Sicherheit im Wandel erleben.

Bildung endet nie

1998 führte mich die Liebe nach Freiburg.

Auch dort traf ich wieder auf Menschen, die Entwicklung ermöglichten. Qualitätsentwicklung, Fortbildung, Fachberatung und Supervision waren selbstverständlicher Bestandteil der pädagogischen Arbeit. In dieser Konsequenz kannte ich das aus Bayern bislang nicht. Mich begeisterte, wie viel gezielter, schneller und nachhaltiger sich pädagogische Qualität durch diese professionelle Begleitung weiterentwickeln konnte. Zum ersten Mal entstand in mir der Wunsch, selbst Fortbildungen zu gestalten und andere in ihrer Entwicklung zu begleiten.

Eine Fachberaterin erkannte mein Potenzial und ermutigte mich, erste Schritte in der Erwachsenenbildung zu gehen.

Heute weiß ich, wie entscheidend solche Menschen für eine berufliche Entwicklung sein können. Oft braucht es jemanden, der etwas in uns sieht, bevor wir es selbst erkennen. Ich absolvierte die Weiterbildung zur Fachwirtin für Organisation und Führung und wurde währenddessen 1999 zum ersten Mal Mutter. Mit unserem Sohn begann ein neuer Lernweg. Plötzlich waren viele pädagogische Fragen nicht mehr nur fachlich interessant, sondern Teil unseres eigenen Familienlebens.

Ein Blick über den Tellerrand

Nach unserem Umzug nach Karlsruhe eröffnete sich eine völlig neue Welt.

Ich wechselte in die Unternehmensberatung und arbeitete erstmals mit Teams, Führungskräften und Organisationen aus der Wirtschaft. Dort lernte ich, dass viele Fragen, die mich in Kindertageseinrichtungen beschäftigt hatten, überall wieder auftauchen: Zusammenarbeit, Führung, Kommunikation, Vertrauen und Veränderung.

Meine damaligen Vorgesetzten schenkten mir viel Vertrauen und ließen mich früh Verantwortung übernehmen. Diese Erfahrung prägt mein Führungsverständnis bis heute. Menschen wachsen dort, wo man ihnen etwas zutraut.

Mit der Geburt unserer Tochter 2002 rückte gleichzeitig die Vereinbarkeit von Familie und Beruf nochmals neu in den Mittelpunkt unseres Lebens.

Von 2003 bis 2006 arbeitete ich in einer jungen Unternehmensberatung am Aufbau neuer Strukturen mit. Gleichzeitig entstanden dort bereits meine ersten Beratungsprojekte für Träger und Verbände der Frühpädagogik.

Rückblickend war genau diese Verbindung aus Organisationsentwicklung und Pädagogik die ideale Vorbereitung auf den nächsten Schritt.

Den eigenen Weg gehen

2007 wagte ich den Schritt in die Selbstständigkeit. Seitdem durfte ich unzählige Menschen, Teams, Einrichtungen, Träger und Organisationen begleiten. Mit vielen Auftraggeber:innen und Kitateams arbeite ich bis heute vertrauensvoll zusammen. Was mich bis heute besonders begeistert, ist zu erleben, wie Menschen wachsen, neue Perspektiven gewinnen und ihren eigenen Weg gestalten. Sie dabei ein Stück begleiten zu dürfen, empfinde ich als großes Geschenk.

Nicht fertige Konzepte oder Methoden faszinieren mich, sondern das, was gemeinsam mit den Menschen vor Ort entsteht: individuelle Lösungen auf der Grundlage aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse, neue Ideen und tragfähige Konzeptionen. Denn jede Einrichtung, jedes Team und jede Organisation bringt ihre eigene Geschichte, ihre eigenen Fragen und ihre eigenen Entwicklungsmöglichkeiten mit.

2006 wurde unsere jüngste Tochter geboren und unsere Familie war komplett. Familie und Beruf miteinander in Einklang zu bringen war von Beginn an meine stetige An- und Herausforderung. Unseren Kindern ein gutes Vorbild zu sein, war und ist mir dabei besonders wichtig. In all den Jahren durfte ich erfahren, was Familien stärkt, was sie herausfordert und wo die Stolpersteine im Alltag liegen. Diese Erfahrungen haben mich nicht nur persönlich geprägt, sondern auch meine Arbeit bereichert. Denn vieles, worüber ich heute mit Eltern, Fachkräften und Führungskräften spreche, kenne ich aus eigener Erfahrung.

Unsere drei Kinder auf ihrem Weg begleiten zu dürfen, empfinde ich bis heute als das größte und schönste Abenteuer meines Lebens. Sie haben mich gelehrt, geduldig zu sein, loszulassen, Vertrauen zu schenken und immer wieder neue Perspektiven einzunehmen. An ihnen und mit ihnen durfte ich mich selbst immer wieder neu entdecken und weiterentwickeln.

Meine Lehrmeister:innen und Netzwerke

Neben Familie und Beruf hatte ich immer den Wunsch, fachlich neugierig zu bleiben. Deshalb habe ich früh begonnen, Menschen aufzusuchen, von denen ich lernen konnte.

Zu meinen wichtigen fachlichen Impulsgeber:innen gehören Ferre Laevers, Margy Whalley, Wendy Lee, Kornelia Schneider, Wiebke Wüstenberg, Maria Aarts, Anna Winner und Elisabeth Erndt-Doll. Ihre Arbeiten zu kindlichem Wohlbefinden und Engagiertheit, früher Bildung, Beobachtung, Beziehungsgestaltung und Übergängen haben mein pädagogisches Denken wesentlich geprägt. Ebenso beeinflussten mich die Beiträge von Joachim Bauer, Manfred Spitzer, Gerald Hüther, Heidi Keller, Hiltrud Otto, Herbert Renz-Polster, Remo H. Largo und Jesper Juul zu Entwicklung, Beziehung und Lernen.

Mindestens genauso wichtig waren für mich Netzwerke. Ab 2011 nahm ich regelmäßig an den Jahrestagungen des Netzwerks „Kinder bis drei“ teil. Dort begegnete ich Menschen aus dem gesamten Bundesgebiet, die dieselbe Leidenschaft teilten: Frühpädagogik weiterzudenken. 2020 entstand schließlich das Bundesnetzwerk für Fortbildung und Beratung in der Frühpädagogik e. V., https://das-bundesnetzwerk.de/. Bis heute engagiere ich mich dort mit großer Überzeugung, unter anderem als Öffentlichkeitsvorständin, im Projekt: Zukunftsorientierte Fortbildung in der Frühpädagogik und koordiniere das Baden-Württembergische Regionale Netzwerk.

Eintauchen in die systemische Welt

Aus diesem Netzwerk entstanden Freundschaften und fachliche Wegbegleiter:innen, die mein Denken nachhaltig verändert haben.

Eine besondere Rolle spielt dabei Barbara Baedeker. Sie eröffnete mir die Welt des hypnosystemischen Denkens und legte damit den Grundstein für einen neuen Blick auf Menschen, Organisationen und Veränderungsprozesse.

Durch sie durfte ich von Persönlichkeiten wie Gunther Schmidt, Bernhard Trenkle, Ben Furman, Susy Signer-Fischer und Frauke Niehues lernen.

Mit jeder Begegnung wurde mir deutlicher, dass Entwicklung nicht durch fertige Antworten entsteht, sondern durch gute Fragen, neue Perspektiven und echte Begegnungen.

Coaching, Buch und Multiplikator:innen

2017 begann ich die Coachingausbildung bei Gunther Schmidt am Milton-Erickson-Institut Heidelberg und schloss sie 2019 erfolgreich ab.

Parallel entwickelte sich ein weiteres Herzensprojekt. Gemeinsam mit meiner Kollegin Petra Evanschitzky entstand der Wunsch, unsere langjährigen Erfahrungen mit dem Münchener Eingewöhnungsmodell in Buchform festzuhalten. 2021 erschienen schließlich Buch und Film.

Doch damit war die Reise nicht zu Ende.

Immer mehr Menschen wollten das Modell nicht nur anwenden, sondern selbst weitergeben. So entstand 2023 der Train the Trainer für Multiplikator:innen des Münchener Eingewöhnungsmodells.

Heute sind wir bereits mit der dritten Ausbildungsstaffel unterwegs. Mit jeder Gruppe wächst ein Netzwerk engagierter Menschen, die das Modell in ihre Regionen, Einrichtungen und Fortbildungsangebote tragen.

Das erfüllt mich mit großer Dankbarkeit. Denn genau darum ging es mir auf meinem gesamten Weg: Menschen zu begegnen, die Lernen ermöglichen. Heute selbst einer dieser Menschen sein zu dürfen, empfinde ich als großes Geschenk.

Gemeinsam weiterdenken

Meine Lerngeschichte ist noch lange nicht zu Ende. Seit September 2026 wächst auch mein Unternehmen. Mit Sabrina Braun-Dröschel ist eine Kollegin an meiner Seite, die ihre eigene Expertise, ihre langjährige Erfahrung und ihre Leidenschaft für die frühe Bildung einbringt.

Ich freue mich sehr, dass wir unsere Kompetenzen bündeln und Kindertageseinrichtungen, Träger und Teams künftig gemeinsam begleiten können. Denn ich bin überzeugt: Gute Entwicklung entsteht selten allein. Sie entsteht dort, wo Menschen ihre unterschiedlichen Perspektiven einbringen, voneinander lernen und sich gegenseitig inspirieren.

Auch nach fast vier Jahrzehnten in der frühen Bildung verstehe ich mich vor allem als Lernende. Ich freue mich auf neue Begegnungen, neue Fragen und Menschen, die gemeinsam mit uns die Zukunft der frühen Bildung gestalten möchten. Denn Entwicklung endet nie. Genau das macht diesen Beruf für mich bis heute so faszinierend.

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